Wird YouTube erwachsen?

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YouTube war lange Zeit ja hauptsächlich für Fail- und Katzenvideos bekannt. Mit seinem Aufschwung wurden die Beauty-Blogger und vor allem Comedians erfolgreich. Mittlerweile sind auch die Gaming-Kanäle nicht mehr wegzudenken. Es sind überwiegend unterhaltungsaffine Themen die auf YouTube Hochkonjunktur haben, was auch ein Grund ist, warum sowohl der YouTube-Nachwuchs, als auch große Netzwerke auf diese Sparten setzen.

Aber ist das alles, was YouTuber zu bieten haben? Ich erinnere mich an den Artikel „Schau ich YouTube in der Nacht …“ des Blogs kleinerdrei, in dem sich der Autor mit seinen Lieblingskanälen auf YouTube auseinandersetzt und sich die Frage stellt, weshalb diese überwiegend aus dem englischsprachigen Raum stammen. Ich höre auch von Benutzerkollgen immer wieder, dass diese sich überwiegend englischsprachige Kanäle ansehen.

Sicher sind auch in Übersee die Sparten Lifestyle, Comedy und Musik Erfolgsgaranten, aber scheinbar konnten sich in anderen Ländern Kanäle etablieren, die sich auch mit anderen Themen befassen und sich an die Zielgruppe 20+ richten, was im deutschsprachigen YouTube eher weniger der Fall ist. Beziehungsweise scheinen diese Probleme zu haben, gefunden zu werden und ihr Publikum zu vergrößern.

Ich vermute einen Grund dafür darin, dass sich in Deutschland nur ein kleiner Teil der „Erwachsenen“ mit YouTube als Unterhaltungsmedium anfreunden konnte und vieles nur als Kindereien abtat. Dadurch konzentrierten sich Produzenten hauptsächlich auf die Zielgruppe Teenager, die für die immer bekannter werdenden YouTube-Stars etwas empfänglicher waren.

Durch die kommerziellen Erfolge der letzten Jahre wird Webvideo im Allgemeinen und YouTube im Speziellen mittlerweile auch von den „Älteren“ etwas ernster genommen. Weiterhin sind die Teenager aus der Anfangszeit der deutschen YouTubeszene mittlerweile auch erwachsen und haben sich weiterentwickelt. Deswegen kann ich mir gut vorstellen, dass vielleicht auch bei uns die Zeit allmählich reif ist für mehr Videos, die sich mit politisch und gesellschaftlich relevanten Themen befassen.

Aus diesem Grund möchte ich hier ein weiteres Mal den Teilzeitvlogger Marcel bewerben, der sich in seinen Videos bereits seit Jahren mit den Themen Homophobie und HIV auseinandersetzt. Aus diesem Grund ist er derzeit auch für den „Smart Hero Award“ nominiert, ein Preis der von Facebook und der Stiftung „Digitale Chancen“ ausgeschrieben ist. Bis zum 11. Juni kann man für ihn abstimmen. Ich persönlich fände es sehr sehr toll, wenn er den Preis erhalten würde, zum einen weil ich sein Engagement sehr gut und wichtig finde und zum anderen, weil es vielleicht eine kleine Tür für inhaltlich anspruchsvollere und sozial engagiertere Videos auf YouTube öffnet. Außerdem mag ich ihn <3

Was meint ihr? Kann und soll YouTube erwachsen werden? Was sind eure Lieblingskanäle?

 

 

Autor: mauerunkraut

geborene Trixi | wohnhaft im sogenannten Internet | ledig, keine Katzen

9 Gedanken zu „Wird YouTube erwachsen?“

  1. GENAU! Gerade, „dass sich in Deutschland nur ein kleiner Teil der ‚Erwachsenen‘ mit YouTube als Unterhaltungsmedium anfreunden konnte und vieles nur als Kindereien abtat,“ sehe ich als eines der Grundprobleme von YouTube in Deutschland. Mehr noch! Ich würde so weit gehen zu sagen, dass das heute eine Weiterentwicklung zur Seriosität aktiv hemmt, denn Erwachsene, die für das Tool YouTube jetzt vielleicht offener wären, finden dort kaum Inhalte für sie. Zumindest nicht auf Seiten der Produzenten. Sie suchen dann eher nach Uploads von vorgefertigten Fernseh-Shows oder Katzenvideos. Sie kämen nie auf die Idee, sich einen Account zuzulegen und Kanäle zu abonnieren, weil sie Kanäle vermutlich gar nicht als Anbieter eigener, ernstzunehmender Inhalte wahrnehmen.

    Wir versuchen bei Endemol ja einiges, haben auch sehr interessante Pläne. Aber ich persönlich glaube nicht, dass sich ein Format, dass die Altersgruppe 8-18 außen vor lässt, kurzfristig auf YT in Deutschland Erfolg haben wird. Ich hoffe allerdings, dass es bald die Ausnahme geben wird, die eine neue Regel schafft. Sehe ja auch selbst bereits, dass mein Publikum älter geworden ist.

    1. Die Zielgruppe 8-18 wird noch lange ein wichtiger Faktor bei der Planung neuer Kanalkonzepte sein, schließlich bringen sie die meisten Gewinne. Allerdings muss irgendjemand den Anfang machen, sonst wird es noch lange bei den Kindereien bleiben. Und auch einer jungen Zielgruppe sollte man die Möglichkeit zur Meinungsbildung und Weiterentwicklung bieten. Zumindest hier sehe ich engagierte Versuche (und natürlich denke ich dabei auch an deine Jugendkultur-Reihe). Das eine schließt das andere nicht aus.

  2. Liebe Trixi,

    danke für den Artikel und natürlich auch für Deine lobenden Worte. Ich sehe es wie Du und KWiNK im vorigen Kommentar. Es ist schwierig, weil ältere Menschen kaum bzw. nicht beständig YouTube schauen.

    Auf meiner Facebookseite und in den YT-Analytics sehe ich aber, dass meine Zuschauerschaft sehr viel älter ist, als noch vor einem Jahr.

    Ich habe mir vorgenommen, mich von dem Zwang (Oder auch Druck, den ich u. a. durch ein Netzwerk bekommen habe), dass ein Video auf Teenies zugeschnitten sein muss, zu verabschieden. Dazu musste ich mich oft verstellen und war deswegen auch häufig mit Videos unzufrieden und habe sie trotz einiger Arbeit und Zeitaufwand nicht hochgeladen.

    Ab sofort möchte ich öfter etwas machen, aber so, wie ich bin und wie es mir gefällt. Das heißt es wird Themen geben, die nicht jeden ansprechen. Die Inhalte werden manchmal auch voraussetzen, dass jemand sich schon vorher für ein Thema oder Politik an sich interessieren muss (ich erkläre nicht am Anfang eines jeden Videos, wie die Welt funktioniert). Ich glaube, dass könnte durchaus funktionieren und bin gespannt, wie sich mein Kanal dann entwickelt.

    Jedenfalls freue ich mich Dich als Zuseherin und auch als private Freundin zu haben und danke vielmals für Deinen Votingaufruf. Danke! 🙂

    Marcel

    1. Auch junge Menschen werden älter und entwickeln sich weiter.
      Sich nicht von Erwartungen von Zielgruppen und Klickzahlen abhalten zu lassen halte ich für einen guten Vorsatz. Läuft man nur dem quantitativen Erfolg nach, ist man irgendwann frustriert, mal abgesehen davon bringt Quantität die Menschheit auch nicht weiter. Wenn man sich davon befreit hat man erstens mehr Freude an seinen Beiträgen und seiner Kreativität kann man auch besser seinen Lauf lassen.

      Mein Votingaufruf hier, wird dir wohl kaum was helfen. Aber dein Video hat mich aber in großem Maße zu diesem Post hier inspiriert.

  3. Hey Trixi,

    Schöner Artikel. Ich glaube nicht, das sich „erwachsenere“ Inhalte auf Youtube durchsetzen werden. Also zumindest nicht für eine großes Puplikum. Ich erlebe Youtube bei Bekannten ähnlich wie Fernsehen. Es wird zur kurzweiligen Unterhaltung oder Berieselung genutzt. Bildungsfernsehen oder interessante Themen bekommen nicht umsonst so unattraktive Sendezeiten. Genauso sehe ich es bei Youtube auch. Es gibt solche Kanäle durchaus und mit etwas suchen wird man auch schnell zu seinem Thema fündig.

    Eine Sparte die ich eher vermisse oder erst wieder neu für mich entdecken musste sind die persönlichen Kanäle. Also Kanäle von Menschen die einfach nur ihren Alltag filmen oder von Problemen sprechen, die sie haben und die dann in den Kommentaren ausdiskutiert werden. Ist auch logisch das man damit nicht die Abos schlechthin reißt. Aber sehr interessant was sich daraus für eine Traube von Gleichgesinnten und manchmal sogar Freundschaften bildet. Das kennst du ja sicher auch und hast es durch Youtube auch erlebt. Die großen „hippen“ Kanäle schaue ich auf Youtube schon lange nicht mehr und freue mich viel mehr wenn XY mal alle 3 Wochen ein kurzes Video hochläd von einem netten Grillabend mit Freunden oder eine Tour durch seine Stadt. Also Kanäle, die sich nicht selbst in eine Kategorie gesteckt haben. Ab einer gewissen Größe kann man das aber bestimmt leider nicht mehr so. Hier fällt mir Vegas als Beispiel ein. Ich schaue sie ja schon seit MyVideo Zeiten. Nun da sie ja auch sehr stark in ihr Netzwerk eingebunden ist hat ihre charmant „unprofessionelle“ persönliche Art leider nachgelassen. Was ja nicht schlecht sein muss. Es spricht dann halt nur ein anderes Publikum an und bringt sicherlich auch mehr Klicks. Mich persönlich interessiert der Mensch an sich aber mehr als seine Reichweite oder die Relevanz seines Videos an sich. Der Mensch Vegas ist dann halt der Thematik und dem Inhalt der Produktionen gewichen. So entdecke ich mich selbst dabei eigentlich nur Videos für meine „Youtube Freunde“ anstatt sie für meine „Youtube Zuschauer“ zu machen. Das beobachte ich bei anderen auch. Obwohl ich da sicher in einer Blase lebe weil es gerade die sind die ich auch schaue und mit denen ich mich darüber austausche. Es sind Youtuber die sich nicht scheuen mal nen 40 Minuten Labervideo hochzuladen ohne 2 Minuten am Ende eine blöde Endcart mit Daumen hoch Gesabbel einzufügen. Aber Youtube ist auch groß genug um wirklich für jeden was zu bieten und derjenige der „anspruchsvolle“ Themen sehen will findet sie auch weil er in der Regel auch gewillt ist länger danach zu suchen.

    Grüße, Rypzy

    1. Danke für deinen sehr ausführlichen Kommentar. Ich bin mir offen gestanden nicht sicher, ob und wie sehr ich die persönlichen Videos vermisse. Mag vielleicht auch daran liegen, dass Freundschaften, die auf diesem Wege entstanden sind, etwas entfremdet haben. Vielleicht aber auch, weil es aus meinem Leben nichts Interessantes zu erzählen gibt, zumindest nichts was andere interessieren könnte. Da versuche ich lieber das Interesse der Leute auf wichtige und relevante Themen zu lenken, in der Hoffnung die Welt doch ein wenig besser zu machen.

  4. Ich würde an dieser stelle wahnsinnig gerne von einer persönlichen Erfahrung berichten.
    Mein dad, 50+ und Internet affin, hat YouTube auch lange Zeit nicht ernst genommen, dann aber jemanden in seinem Alter, durch gezielte Suche entdeckt, der über e Zigaretten berichtet, und hat dadurch jetzt doch einen veränderten Blick auf YouTube.

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