Ich wär so gerne Soziologin …

Ich würde die Entstehung und die Systematik von Shitstorms in Social Media untersuchen.
Ich würde versuchen herauszufinden ob und welchem Muster sie folgen.
Denn jeder, der sich viel im Internet bewegt, ahnt vermutlich, dass diese Empörungswellen einem Muster folgen. Mit einem Anlass und einem Höhepunkt, bis er sich in Luft auflöst – und nächste Woche ein neuer Shitstorm entsteht.

Ich würde untersuchen wollen, wie Betroffene sich bei einem Shitstorm fühlen und wie sie mit ihm umgehen.
Wie reagiert man in einem Shitstorm? Kann man überhaupt richtig reagieren? Kann Kritik noch als Kritik gesehen werden, wenn sie in Massen auf einem einprasselt? Welche Stresstoleranz und emotionale Stabilität müssen Social Media Manager für diese Aufgabe mitbringen? Wie sollen Kommentarspalten verwaltet und gepflegt werden? Wie kann Diskussion in Social Media funktionieren?
Kann und will man nach so einer Erfahrung sein eigenes Verhalten reflektieren und daraus lernen?

Ich würde Menschen, die sich an einem Shitstorm beteiligen, fragen, was in ihnen vorgeht, was sie bezwecken.
Sascha Lobo sagte es vor kurzem sehr schön:

Sieht man sich in diesem Augenblick als Teil eines „Shitstorms“? Ist man selbst noch Kritiker und Meinender, oder wirft man schon mit Dreck nach jemandem? Beschäftigt man sich darüber hinaus mit dem Thema des heutigen Shitstorms? Sieht man das Thema überhaupt noch?

Ich würde so gerne versuchen herauszufinden, ob aus einer Empörung nicht auch ein Diskurs werden kann, aus dem wir etwas über unsere Werte und unseren Umgang miteinander lernen können.
Oft verbirgt sich hinter einer Empörungswelle gegen einzelne ein Thema, das es wert ist, diskutiert zu werden und nicht mit der Empörung wieder zu verschwinden. Schon die Frage, warum man sich empört, sollte sich doch jeder wenigstens einmal stellen. Reicht es, wenn ein Shiststorm in einzelnen Blogs Erwähnung findet? Reicht es aus, dass Meinungen freigelassen werden?
Ich habe einen Gesprächspartner an meiner Seite, mit dem ich über den Weekly Shitstorm diskutieren kann. Mit diesen Auseinandersetzungen lernen wir beide etwas Neues dazu. Haben das auch andere? Könnte eine nachfolgende Aufarbeitung des Shitstorms eine Möglichkeit für den Erkenntnisgewinn sein?

Aber ich bin keine Soziologin, ich prokrastiniere nur und mache mir dabei Gedanken.

Autor: mauerunkraut

geborene Trixi | wohnhaft im sogenannten Internet |

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