Ich, die Migrantin – Nachlese

Vorletzte Woche konnte ich nach zwei Dreh- und drei Bearbeitungstagen nun endlich ein Video veröffentlichen, das mir schon lange auf der Seele brannte:

Schon vor längerer Zeit stellte ich fest, dass ich mich hier in meinem neuen Zuhause noch nicht so wirklich wohl fühle. Zugegeben, es ist 2014 eine ganze Menge passiert – der Umzug, eine neue Arbeitsstelle, Beginn meines Studiums – im Sommer und Herbst stand ich ordentlich unter Stress.

Dennoch: ich habe Probleme mir hier einen Freundes- und Bekanntenkreis aufzubauen, während ich meinen alten Freundes- und Bekanntenkreis aus den Augen verliere. Ich werde daran erinnert, dass ich ganz eindeutig nicht „von hier“ bin, während ich versuche mich hier einzugewöhnen.

Ich erlebe eine oberflächliche Light-Version von Dingen, die Menschen mit ausländischen Wurzeln täglich erleben. Natürlich sind diese weitaus deutlicher und schwerwiegender, wenn man seine Wurzeln außerhalb Deutschlands hat oder aus einem ganz anderen Kulturkreis stammt und erst recht, wenn man es einem aus der Entfernung ansieht. Ich möchte die Dinge auch nicht gleichsetzen. Allerdings kann ich nun besser nachvollziehen, wie es sich für sie anfühlen muss. Natürlich auch mit dem Wissen, dass für Menschen mit „richtigem Migrationshintergrund“ noch spürbare Nachteile hinzukommen.

Wenn man innerhalb Deutschlands größere Sprünge macht, merkt man auch erst wie vielfältig Deutschland ist. Allein schon an den verschiedenen Dialekten und Mentalitäten – von Nord nach Süd, von Ost nach West und wieder zurück. Und das nicht nur, wenn man aus einem Bundesland kommt, dass seine Einzigartigkeit gegenüber den anderen Bundesländern mit großer Freude zelebriert. Es haben sich unter dem Video auch sehr viele gemeldet, die ähnlich große Sprünge gemacht haben.

Ein wenig schade fand ich es allerdings schon, dass hauptsächlich die Unterschiede innerhalb Deutschlands thematisiert wurden und die Problematik, dass andere Bevölkerungsgruppen dieselben Probleme oft deutlich schwerwiegender erleben, genau genommen gar nicht. Ist vielleicht meiner Reichweite geschuldet und sehr wahrscheinlich weil sich dieses Video eher an Deutsche richtete.

Ich werde versuchen in meinen nächsten Projekten, meine Intention besser herauszuarbeiten 🙂