Familien in Gefahr? – Nachlese

Eine Woche ist es her, als ich das Video „Familien in Gefahr“ veröffentlicht habe. Ich hatte alle Prüfungen bei denen ich irgendwie präsent sein musste abgeleistet und ich hatte ein freies Wochenende. Nichts konnte mich aufhalten.

Dieses Thema brannte mir schon lange unter den Nägeln. Mich stört schon seit Jahren, dass zwar immer großspurig die hohe Bedeutung der Familie hochgehalten wird, sogar als Begründung gegen die Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare herhalten muss. Doch bei näherer Betrachtung sind aber scheinbar nur die Familien von Bedeutung, die aus einem Vater, einer Mutter und ihren Kindern bestehen und gleichzeitig auf keinerlei Hilfe vom Staat angewiesen sind. Die mit nur einem Gehalt klar kommen oder zumindest auf private oder familiäre Betreuungsmöglichkeiten zurückgreifen können, ohne dabei dem Staat in irgendeiner Form zur Last zu fallen. Hinzu kommt, dass diejenigen, die Politik machen, nur eine Variante von Familie kennen (wollen). Franz Josef Wagner lieferte kürzlich ein famoses Paradebeispiel dazu ab (ich weigere mich diesen Beitrag zu verlinken!).

Aber Familie gestaltet sich nun mal sehr unterschiedlich, schon allein weil das Leben nicht geradlinig und schon gar nicht planbar verläuft. Und dennoch wird Familie so behandelt, als ginge kein Weg am „klassischen“ Familienmodell vorbei. Und damit wird das Leben vor allem denjenigen schwer gemacht, die diesem Bild nicht entsprechen – und die wenigsten haben sich diese Situation ausgesucht, sondern sind viel mehr reingeschlittert. Die Leidtragenden sind diejenigen, die Kinder groß ziehen und damit auch die Kinder selbst.

Ich möchte mich nicht dafür aussprechen, Familie nur und ausschließlich an vorhandenen Kindern zu messen, aber den Kindern zuliebe, sollte man bei familienpolitischen Entscheidungen wenigstens bei ihnen anfangen – unabhängig davon, in welchem Familienmodell sie aufwachsen. Unabhängig davon, ob sie bei beiden Eltern, nur bei einem Elternteil oder im Patchwork aufwachsen. Und vor allem unabhängig davon, welches Geschlecht die Eltern haben.

Weiterhin haben wir über die Akzeptanz verschiedener Familienmodelle hinaus noch ganz andere Baustellen in der Familienpolitik, da sei hier wiederholt die Situation der Hebammen erwähnt. Dieses Thema wird leider im Tagesgespräch sehr stiefmütterlich behandelt, obwohl hier Geburtshelferinnen ins Aus gedrängt werden (hier sind überwiegend Frauen betroffen, aber das ist bestimmt nur Zufall), werdende Eltern in einer sehr elementaren Lebenssituation immer mehr auf sich allein gestellt sind, während wir gleichzeitig seit Jahren unsere niedrige Geburtenrate beklagen.

Familienpolitik muss an mehreren Fronten geführt werden und kann nicht allein auf den Ausschluss gleichgeschlechtlicher Paare und das Trinken von Smoothies reduziert werden. Cheers!

Blog vs. Vlog

„Bloggen ist out“, hat mir vor einiger Zeit ein guter Freund erzählt. In Zeiten, in denen Internet-Stars vor allem durch Videos bekannt werden, mag er wohl nicht ganz unrecht haben. Allerdings gehöre ich wohl auch zu den Leuten die lieber Blogs lesen, als Videos schauen. Das ist gerade wenn man unterwegs ist eine feine Sache. Text verbraucht deutlich weniger Datenvolumen, als Bewegtbild.

Und Videos? Naja, auch wenn ich immer wieder mal ein Video auf meinen Kanal hochlade, irgendwie hat YouTube für mich an Reiz verloren. Die meisten Videos, und dazu gehören auch die Videos sogenannter „Wissens-YouTuber“, fordern mich nicht, bringen mich nicht zum Nachdenken und somit auch nicht weiter. In Kommentarspalten sieht das schon wieder anders aus – aber Kommentare auf YouTube? Naja wissta selber.

Auf YouTube laufen bei mir häufiger Musikvideos und TV-Ausschnitte, als VLogs der hiesigen YouTube-Szene. Irgendwie hat man ja doch alles schon gesehen, entweder vor Jahren auf YouTube oder im Fernsehen. Vielleicht wurde ich auch einfach nur schneller erwachsen, als YouTube.

Blogs beanspruchen mich dagegen mehr. Schon allein, weil ich selbst lesen muss und mich nicht berieseln lassen kann. Sie bieten mir auch eine ganz andere Themenvielfalt, insbesondere was die Themen Politik und Gesellschaft betrifft. Und gerade in solchen Bereichen lässt sich viel mehr über Text ausdrücken, als in einem Video in dem man sein Thema irgendwie noch inszenieren muss. In den letzten Jahren waren es hauptsächlich Texte die mich im Denken weitergebracht haben.

Dies soll natürlich nicht meinen Abschied von YouTube bedeuten. Ich werde mich weiterhin das eine oder andere Mal vor die Kamera setzen. (Ich hab schließlich gutes Geld dafür bezahlt, da nutz ich sie gefälligst auch) Aber ich glaube, ich bin besser im Schreiben als im Videos produzieren. Und warum sich nur auf ein Medium beschränken? Für alles gibt es die richtige Plattform. Ich finde es offen gestanden faszinierend, dass die YouTube-Szene, die man durchaus als internetaffin bezeichnen kann, auch nach Jahren hauptsächlich dort stattfindet (wenn nicht gerade andernorts über sie berichtet wird). Selbst andere Videoplattformen wie Vimeo werden kaum wahrgenommen. Sorry, aber ist das nicht erschreckend langweilig?

Deswegen werde ich hier ein wenig aufräumen und dann soll es wieder mehr zum Lesen geben.

Ich, die Migrantin – Nachlese

Vorletzte Woche konnte ich nach zwei Dreh- und drei Bearbeitungstagen nun endlich ein Video veröffentlichen, das mir schon lange auf der Seele brannte:

Schon vor längerer Zeit stellte ich fest, dass ich mich hier in meinem neuen Zuhause noch nicht so wirklich wohl fühle. Zugegeben, es ist 2014 eine ganze Menge passiert – der Umzug, eine neue Arbeitsstelle, Beginn meines Studiums – im Sommer und Herbst stand ich ordentlich unter Stress.

Dennoch: ich habe Probleme mir hier einen Freundes- und Bekanntenkreis aufzubauen, während ich meinen alten Freundes- und Bekanntenkreis aus den Augen verliere. Ich werde daran erinnert, dass ich ganz eindeutig nicht „von hier“ bin, während ich versuche mich hier einzugewöhnen.

Ich erlebe eine oberflächliche Light-Version von Dingen, die Menschen mit ausländischen Wurzeln täglich erleben. Natürlich sind diese weitaus deutlicher und schwerwiegender, wenn man seine Wurzeln außerhalb Deutschlands hat oder aus einem ganz anderen Kulturkreis stammt und erst recht, wenn man es einem aus der Entfernung ansieht. Ich möchte die Dinge auch nicht gleichsetzen. Allerdings kann ich nun besser nachvollziehen, wie es sich für sie anfühlen muss. Natürlich auch mit dem Wissen, dass für Menschen mit „richtigem Migrationshintergrund“ noch spürbare Nachteile hinzukommen.

Wenn man innerhalb Deutschlands größere Sprünge macht, merkt man auch erst wie vielfältig Deutschland ist. Allein schon an den verschiedenen Dialekten und Mentalitäten – von Nord nach Süd, von Ost nach West und wieder zurück. Und das nicht nur, wenn man aus einem Bundesland kommt, dass seine Einzigartigkeit gegenüber den anderen Bundesländern mit großer Freude zelebriert. Es haben sich unter dem Video auch sehr viele gemeldet, die ähnlich große Sprünge gemacht haben.

Ein wenig schade fand ich es allerdings schon, dass hauptsächlich die Unterschiede innerhalb Deutschlands thematisiert wurden und die Problematik, dass andere Bevölkerungsgruppen dieselben Probleme oft deutlich schwerwiegender erleben, genau genommen gar nicht. Ist vielleicht meiner Reichweite geschuldet und sehr wahrscheinlich weil sich dieses Video eher an Deutsche richtete.

Ich werde versuchen in meinen nächsten Projekten, meine Intention besser herauszuarbeiten 🙂