Neidisch auf die Kids

Gestern waren wieder Videodays. Für einen alten Hasen wie immer unvorstellbar groß aufgezogen. Daneben wirkt der Videoday 2011 (mein erster), bei dem sich über tausend Leute in einem Saal des Messezentrums trafen, mickrig.

Mittlerweile findet der Videoday zweimal im Jahr statt und ist eigentlich ein riesiges Fantreffen mit einer großen Showbühne. War YouTube vor einigen Jahren noch das Hobby einiger Verrückter, traf man gestern auf dem Gelände überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene. Man musste sich während der Show nicht vor der Bühne aufhalten, um abzuschätzen, welche Altersgruppe dort ihre Stars feiert.

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Ein wenig neidisch bin ich ja schon. Meine Teenagerzeit fand um die Jahrtausendwende statt. Damals gab es Boybands und die ersten Casting-Stars. Autogramme erwarb man am besten mit einem frankierten Rückumschlag. Konzerte und Autogrammstunden mussten in der Nähe stattfinden und selbst dann brauchte man Eltern, die es einem erlaubten, hinbrachten und/oder begleiteten. Zeitschriften wie Bravo waren damals eine Notwendigkeit, wenn man Neuigkeiten über seine Stars und Idole erfahren wollte. Sie waren vor allem so furchtbar unerreichbar.

Heutzutage kann man durch das Internet mit ihnen in Kontakt treten. Mit etwas Glück retweeten oder antworten sie einem. Es werden auf Veranstaltungen große Autogrammstunden veranstaltet. Und sie erzählen einem von ihrem Leben und geben einem das Gefühl, dass man ihnen nah ist.

Abgesehen davon, hat man mittlerweile viel mehr Möglichkeiten sich mit Film und Videobearbeitung zu befassen und sie zu erlernen. Diese Chance hatte ich damals nicht. Mein Vater hat mir mit 8 Jahren seine Kompaktkamera vermacht, die war damals ca. zehn Jahre alt. Ich lernte den Umgang mit ihr und wie man den Film wechselt. Ich interessierte mich für Fotografie, aber ich hatte niemanden in meinem Umfeld, der mir das näher bringen konnte. Die Bücher, die es in der Bücherei dazu gab, waren für mich damals sehr kompliziert. An meiner Schule gab es weder Foto- noch Film-AGs. Und nach einigen fehlgeschlagenen Experimenten, beließ ich es beim Knipsen.

Heute hat jedes Telefon eine voll funktionsfähige Kamera, jeder hat Internetanschluss und kann sich das Tutorial suchen, das er am besten versteht. Natürlich hält mich prinzipiell nichts davon ab, mich jetzt stärker mit diesen Dingen auseinander zu setzen. Aber man arbeitet, man studiert, man versucht dabei irgendwie ein Leben aufrecht zu erhalten. Außerdem lässt sich der Vorsprung den andere, deutlich jüngere haben, nur schwer aufholen.

Womöglich liegt es an dieser rasanten Entwicklung, dass ich mit noch nicht mal 30 gerne etwas jünger wäre, um die Möglichkeiten zu haben, die die „Kids“ mittlerweile haben.