Mauerunkraut

Ich prokrastiniere. Und mache mir Gedanken.

Das sag ich deinem Chef, du Nazi!

Fremdenfeindliche Hetzkommentare sind ein Problem. Es werden an sich immer mehr, immer mehr bewegen sich im strafrechtlich relevanten Rahmen und immer mehr Urheber scheuen sich auch nicht, sie unter ihrem Klarnamen zu verfassen. Das entsetzt uns – zurecht. Aber wie wollen wir damit umgehen?

Eine Möglichkeit, die sich in den letzten Monaten sehr beliebt machte ist, öffentlich auf diese Beiträge aufmerksam zu machen, insb. auf ihre Urheber. Die Perlen aus Freital sind hier wohl das bekannteste Beispiel dazu.

Nachdem nun bereits ein Auszubildender nach Posten eines Hass-Kommentars von seinem Ausbilder gekündigt wurde, gehen mittlerweile immer mehr dazu über, dies auch von Arbeitgebern anderer Hetzschreiber zu fordern. Großes Aufsehen erregte kürzlich auf Twitter #lidlboykott, weil Lidl dieser Aufforderung in einem Falle wohl nicht nachkommen wollte. In meiner Timeline wird gerade ein Fall diskutiert, bei dem nach homophoben und gewaltbereiten Äußerungen die Arbeitgeber zweier Auszubildender kontaktiert wurden und diese nun gekündigt wurden. Mittlerweile kursiert auch ein Tutorial, das erklärt, wie man die Schreiber von Hetzkommentaren bei ihren Arbeitgebern meldet.

Diese Entwicklung stimmt mich nachdenklich. Einerseits finde ich es gut und wichtig, dass die Mehrheit zeigt, dass sie diese Haltung nicht vertritt. #Mundaufmachen und #Kantezeigen, wie man so schön sagt. Aber ist „petzen“ und „prangern“ hier der richtige Weg?

Wird der Betroffene seine fremdenfeindliche Haltung überdenken, wenn er wegen einer solchen Äußerung gekündigt wird? Oder wird er das Gefühl bekommen, dass er wegen einer unliebsamen Meinung, auf die er aber ein Recht habe, von der Gesellschaft ausgeschlossen wird, ihm sogar eine Lebensgrundlage entzogen wird?

Und werden Arbeitgeber nun ihre Mitarbeiter und Bewerber auf ihre etwaige Äußerungen im Internet überprüfen? Müssen sich Arbeitgeber nun mehr denn je für das Privatleben ihrer Mitarbeiter rechtfertigen? Wie sehr werden Mitarbeiter zum Repräsentanten ihres Arbeitgebers, wenn sie sich im Internet zu verschiedenen Themen äußern? Verschwimmen damit die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben noch mehr, als sie es ohnehin schon tun?

Und steht es uns bzw. den Arbeitgebern überhaupt zu, derart gegen Hetze vorzugehen? Sollte die Strafverfolgung in so einem Fall nicht dem Staat obliegen? Und wenn die Äußerungen nicht strafrechtlich relevant sind, können wir uns hier wirklich das Recht herausnehmen, sie bewusst mit sozialer Ächtung und realen Konsequenzen zu strafen?

Angenommen, wir erreichen damit, dass die Hetzer sich nicht mehr trauen diese Gedanken ins Internet zu tragen, ist das Problem damit dann gelöst? Und wird sich das nur auf dieses menschenfeindliche Gedankengut beschränken?

Wir müssen uns mit diesen Fragen auseinandersetzen, bevor wir eine solche Entwicklung vorantreiben – und wenn sie noch so gut gemeint ist.

Quotes on nursing – Nachlese

Ich bin ein wenig überwältigt. Als ich vor ein paar Tagen das Video „Quotes on nursing“ hochlud, hätte ich nicht mit dieser Resonanz gerechnet. Über 1000 Views innerhalb von 24 Stunden! – ja, das ist für meine mickrige Reichweite ein kleines Highlight.

Ich hatte ja schon die Befürchtung, dass das Thema doch ein wenig zu spezifisch für meinen Kanal ist. Andererseits las ich hier ja auch ein paar sehr polarisierende Beiträge vor und die Pflege-Szene ist mittlerweile auch immer mehr in den Sozialen Medien vertreten (Stichwort: #Pflegestreik). Außerdem genießt Pflege innerhalb der Bevölkerung ein besseres Image, als das Video dies vermuten lässt (was statistisch belegt ist)

Ich glaube durchaus, dass den meisten bewusst ist, wie wichtig dieser Beruf ist und dass wir uns der Frage stellen müssen, wie wir in Zeiten des medizinischen Fortschritts eben auch der Frage stellen müssen, wie wir Menschen mit diversen Krankheiten und Behinderungen versorgen wollen. Schon jetzt nehmen Familienangehörige ein großes Armutsrisiko auf sich, weil sie einen Angehörigen versorgen. Andere greifen auf die sog. „Polin“ zurück, also einer Frau aus den anliegenden Ostblockländern, die sich zu Hause rund um die Uhr um einen Pflegebedürftigen kümmern – und dieses rund um die Uhr kann dabei wörtlich genommen werden.

Natürlich wird der Berufsstand Pflege seinen großen Teil leisten müssen und sich aus dem veralteten altruistischen Weltbild emanzipieren müssen. Aber auch, wer nicht in diesem Beruf arbeitet, kann die Pflege unterstützen, in dem man sein Umfeld vielleicht auf falsche Darstellungen hinweist oder selbst Initiativen wie die Gründung von Berufskammern für die Pflege, die die Pflege ein ganzes Stück selbstbestimmter machen könnte, zu unterstützen und zu verbreiten.

Ich weiß natürlich, dass wir alle viel zu tun haben und gerade das Internet uns gerne von den wichtigen Dingen des Lebens ablenkt, dennoch bin ich dankbar für jeden, der auch diese Bereiche in seinen Möglichkeiten unterstützt und verbessert.

Neidisch auf die Kids

Gestern waren wieder Videodays. Für einen alten Hasen wie immer unvorstellbar groß aufgezogen. Daneben wirkt der Videoday 2011 (mein erster), bei dem sich über tausend Leute in einem Saal des Messezentrums trafen, mickrig.

Mittlerweile findet der Videoday zweimal im Jahr statt und ist eigentlich ein riesiges Fantreffen mit einer großen Showbühne. War YouTube vor einigen Jahren noch das Hobby einiger Verrückter, traf man gestern auf dem Gelände überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene. Man musste sich während der Show nicht vor der Bühne aufhalten, um abzuschätzen, welche Altersgruppe dort ihre Stars feiert.

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Ein wenig neidisch bin ich ja schon. Meine Teenagerzeit fand um die Jahrtausendwende statt. Damals gab es Boybands und die ersten Casting-Stars. Autogramme erwarb man am besten mit einem frankierten Rückumschlag. Konzerte und Autogrammstunden mussten in der Nähe stattfinden und selbst dann brauchte man Eltern, die es einem erlaubten, hinbrachten und/oder begleiteten. Zeitschriften wie Bravo waren damals eine Notwendigkeit, wenn man Neuigkeiten über seine Stars und Idole erfahren wollte. Sie waren vor allem so furchtbar unerreichbar.

Heutzutage kann man durch das Internet mit ihnen in Kontakt treten. Mit etwas Glück retweeten oder antworten sie einem. Es werden auf Veranstaltungen große Autogrammstunden veranstaltet. Und sie erzählen einem von ihrem Leben und geben einem das Gefühl, dass man ihnen nah ist.

Abgesehen davon, hat man mittlerweile viel mehr Möglichkeiten sich mit Film und Videobearbeitung zu befassen und sie zu erlernen. Diese Chance hatte ich damals nicht. Mein Vater hat mir mit 8 Jahren seine Kompaktkamera vermacht, die war damals ca. zehn Jahre alt. Ich lernte den Umgang mit ihr und wie man den Film wechselt. Ich interessierte mich für Fotografie, aber ich hatte niemanden in meinem Umfeld, der mir das näher bringen konnte. Die Bücher, die es in der Bücherei dazu gab, waren für mich damals sehr kompliziert. An meiner Schule gab es weder Foto- noch Film-AGs. Und nach einigen fehlgeschlagenen Experimenten, beließ ich es beim Knipsen.

Heute hat jedes Telefon eine voll funktionsfähige Kamera, jeder hat Internetanschluss und kann sich das Tutorial suchen, das er am besten versteht. Natürlich hält mich prinzipiell nichts davon ab, mich jetzt stärker mit diesen Dingen auseinander zu setzen. Aber man arbeitet, man studiert, man versucht dabei irgendwie ein Leben aufrecht zu erhalten. Außerdem lässt sich der Vorsprung den andere, deutlich jüngere haben, nur schwer aufholen.

Womöglich liegt es an dieser rasanten Entwicklung, dass ich mit noch nicht mal 30 gerne etwas jünger wäre, um die Möglichkeiten zu haben, die die „Kids“ mittlerweile haben.

Wir waren alle Amateure

Ich gebe ja zu, ich habe tumblr noch immer nicht so richtig verstanden, aber ich brauchte gerade Platz für kleinere Gedankengänge

http://mauerunkraut.tumblr.com/post/125823514756/wir-waren-alle-amateure

Da fällt mir wieder ein:

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